Klang

Das Freisinger Domgeläut

Die Frei­sin­ger Dom­glo­cken zäh­len zu den be­deu­tends­ten his­to­ri­schen Ge­läu­ten Süd­deutsch­lands. Acht der elf Glo­cken sind aus der Re­nais­sance­zeit er­hal­ten. Der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell hatte nach einer Brandkatastrophe 1563 diese acht Glocken mit einem Gesamtgewicht von über 9 Tonnen beim Münchner Glockengießer Wolfgang Steger (d.J.) in Auftrag gegeben.  Das his­to­ri­sche Ge­läut über­stand fast un­be­schä­digt die Glo­cken­zer­stö­run­gen der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on und der bei­den Welt­krie­ge.

Zur Tau­send­jahr­fei­er der An­kunft des Bis­tums­pa­trons und ers­ten Frei­sin­ger Bi­schofs Kor­bi­ni­an in Frei­sing 1724 stif­te­te Kur­fürst Max II. Ema­nu­el von Bay­ern die große Kor­bi­ni­ans­glo­cke. Sie ist mit rund 5200 kg die grö­ß­te der elf Dom­glo­cken. Das Ma­te­ri­al ent­stammt tür­ki­scher Ka­no­nen von der Be­la­ge­rung Bel­grads 1688; der Kur­fürst hatte sie er­beu­tet. Sie hängt als ein­zi­ge Glo­cke im Süd­turm des Domes, wäh­rend die üb­ri­gen zehn an­de­ren Dom­glo­cken im Nord­turm hän­gen. Als Fest­tags­glo­cke wird sie nur zu be­son­de­ren kirch­li­chen oder an­de­ren fest­li­chen An­läs­sen ge­läu­tet. Sie bil­det als Grund­glo­cke mit ihrem Schlag­ton g0 das tra­gen­de Fun­da­ment des ge­sam­ten Dom­ge­läu­tes und ist eine der ton­tiefs­ten und schwers­ten Zinn­bron­ze-Glo­cken des Erz­bis­tums Mün­chen und Frei­sing. 

Seit Ok­to­ber 2007 sind die seit 1955 ver­lie­he­nen zwei Glo­cken von 1563/64 (Alex­an­der­g­lo­cke/Dreie­rin und Jus­ti­nus­glo­cke/Zweie­rin) auf den Nord­turm in einen er­neu­er­ten höl­zer­nen Glo­cken­stuhl zu­rück­ge­kehrt. Sie hin­gen bis zum Som­mer 2007 in an­de­ren Frei­sin­ger Kirch­tür­men, denen der Wies­kir­che (Jus­ti­nus­glo­cke) und der Pal­lot­ti­ner­kir­che (Alex­an­der­g­lo­cke).

Fried­rich Kar­di­nal Wet­ter weih­te am 13. Ok­to­ber 2007 die bei­den neuen Dom­glo­cken Be­ne­dikt von Nur­sia (a1) und Otto von Frei­sing (c2) (Glo­cken­gie­ße­rei Ru­dolf Per­ner, Pas­sau) – sie schlie­ßen die Klan­g­lü­cken und er­mög­li­chen klang­lich sinn­vol­le Läu­te­mo­ti­ve.

Seit No­vem­ber 2007 ist das grö­ß­te und kom­plett er­hal­te­ne Re­nais­sance­ge­läut der Welt aus einer Gie­ßer­hand wie­der­ver­eint. Alle Glo­cken er­hiel­ten Ei­chen­holz­jo­che, die Klöp­pel wur­den mit Weich­ei­sen­ku­geln aus­ge­stat­tet, ein neuer Glo­cken­stuhl aus über 10 Ku­bik­me­tern bes­tem Ei­chen­holz er­setzt die alte Stahl­kon­struk­ti­on von 1957, die Klan­gab­strah­lung (Schall­lä­den) und die Glo­cken­stu­be wur­den bau­lich op­ti­miert.

In der Tabelle sehen Sie die Namen, das Gussjahr und die Tonhöhe der einzelnen Glocken:

Korbiniansglocke (Festtagsglocke)1724g0
Sigismundglocke (Stürmerin)1563c1
Marien- oder Frauenglocke1563es1
Kreuzglocke (Sechserin)1563e1
Lantpertglocke (Fünferin)1563g1
Nonnosusglocke (Viererin)1563g1
Benediktglocke2007a1
Alexanderglocke (Dreierin)1563b1
Ottoglocke2007c2
Justinusglocke (Zweierin)1563d2
Friedensglocke (Einserin)1583e2